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Spirig, Martin: Lauterkeitsrechtliche Konflikte im Internet - Ökonomische Analyse und Rechtsvergleichung, Diss. St. Gallen 2001 - Website.

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Meta Tags (Gegenstand)
 
Hinter jeder Website steht ein Computerprogramm (Quellcode), welches dem Browserpro-gramm des Nutzers Anweisungen gibt, wie die Website darzustellen ist. Die auf dem World Wide Web verwendete Programmiersprache heisst "Hypertext Markup Language" oder kurz "HTML". Wie bereits ältere Programmiersprachen erlaubt auch sie dem Programmierer, innerhalb des Programmes Anmerkungen zu machen, die bei herkömmlicher Nutzung nicht sichtbar sind. Damit wird der Quellcode übersichtlicher und besser verständlich. In der Programmiersprache HTML heissen diese Anmerkungen "Meta Tags". Sie dienen jedoch im Internet, wie noch auszuführen ist, nicht mehr den Programmierern zur besseren Orientierung im Quellcode, sondern in erster Linie den Suchmaschinen als Anhaltspunkt für den Inhalt einer Website.
     Suchmaschinen sind dem Nutzer behilflich, zu einem oder mehreren Suchbegriffen relevante Websites zu finden. Um diese Dienstleistung zu erbringen, legen die Suchmaschinen riesige Datenbanken an, worin Millionen Websites teilweise oder ganz abgespeichert und damit einer inhaltlichen Suche zugänglich sind. Gibt ein Nutzer bei der Benutzung einer Suchmaschine ein Stichwort ein, so durchsucht die Suchmaschine ihre Datenbank nach Websites, welche Inhalte zum Stichwort enthalten. Die Suchmaschine beachtet hierbei den Titel der Website, den sichtbaren Text, die Internet-Adresse, eingebaute Text-, Musik-, Graphik- oder Javadateien und eben die hier diskutierten Meta Tags.
     Jeder, der eine Website betreibt, möchte von möglichst vielen Nutzern beachtet werden, unabhängig davon, ob sein Interesse ein wirtschaftliches oder ideelles ist. Besonders hilfreich ist hierzu eine gute Positionierung in den Suchresultaten der Suchmaschinen. Jeder Betreiber programmiert deshalb seine Website so, dass diese von Suchmaschinen innerhalb der Suchresultate möglichst weit vorne eingereiht wird. Hierzu eignet sich die Manipulation der unsichtbaren Meta Tags besonders, weil dabei die äussere Darstellung der Website unverändert bleibt. Seitenbetreiber fügen also bestimmte Begriffe als Meta Tags in ihre Quellcodes ein. Gibt später ein Nutzer einen dieser Begriffe als Suchbegriff in eine Suchmaschine ein, so wird die Website mit dem betreffenden Meta Tag mit grösserer Wahrscheinlichkeit als Suchresultat aufgeführt und erlangt damit zusätzliche Verbreitung. Manchmal wird ein Begriff innerhalb eines Meta Tags zahlreiche Male wiederholt, um eine besonders enge Verbindung zwischen ihm und der Website vorzutäuschen. Die gleiche Wirkung wie Meta Tags haben Begriffe auf der Website, wenn sie in der Hintergrundfarbe geschrieben sind. Auch sie beeinflussen Suchresultate ohne das äussere Erscheinungsbild der Website zu verändern.
     Für die Meta Tags wählen Seitenbetreiber Begriffe, welche Nutzer häufig als Suchworte in die Suchmaschinen eingeben. Worte des allgemeinen Sprachgebrauchs finden dabei ebenso Verwendung wie gewerbliche Kennzeichen. Anbieter von Gütern oder Dienstleistungen wählen oftmals branchenspezifische Begriffe. Diese sind entweder rein beschreibend, oder aber es handelt sich um Begriffe, welche gleiche oder komplementäre Leistungen und deren Hersteller mit den entsprechenden Marken und Firmen bezeichnen. Bekannt ist der Sachverhalt, in welchem Unternehmen X den Begriff "Unternehmen Y" in seine Meta Tags setzte, worauf einige Suchmaschinen zum Suchbegriff "Unternehmen Y" auch einen Link zum Unternehmen X auflisteten.
     Nachdem die ersten Websites dank manipulierter Meta Tags eine bessere Position in den Suchergebnissen erlangten und andere Websites verdrängten, sahen sich immer mehr Seitenbetreiber gezwungen, diese Praktik anzuwenden, damit ihre Seiten bei Stichwortsuchen überhaupt noch innerhalb der meistbeachteten ersten zwanzig Suchresultate erscheinen. Daraus entstand ein Teufelskreis mit dem Ergebnis, dass die Inhalte der Meta Tags eine immer schwächere inhaltliche Verbindung zu den dazugehörenden Websites hatten. Die Suchergebnisse der Suchmaschinen verschlechterten sich zusehends, weil sich zu bestimmten Stichworten wirklich relevante Seiten kaum noch auffinden liessen - zu viele Websites geben mittels manipulierten Meta Tags fälschlicherweise vor, sie seien im gegebenen Zusammenhang ebenfalls beachtenswert.
     Die Nutzer wissen um die schlechte Qualität der Suchergebnisse und gehen bei ihren Recherchen davon aus, dass viele der vorgeschlagenen Suchresultate nichts mit dem Suchbegriff zu tun haben.